Fünfmal Gold – und jetzt? Thorsten Margis im Gespräch

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Wie der erfolgreichste Bobsportler in der Geschichte der Olympischen Winterspiele und Testimonial der Stadtwerke Merseburg zwischen Olympiaruhm, Job und Familie ein neues Kapitel schreibt.

Fünf olympische Goldmedaillen – eine Marke für die Ewigkeit. Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Margis, zu diesem historischen Erfolg! Während viele noch über diesen Meilenstein staunen, hast du längst begonnen, einen neuen Weg einzuschlagen: als Produktmanager bei SONOTEC GmbH in Halle, als gefragter Speaker und als Familienmensch. Zwischen Terminen im Büro, Begegnungen mit Spitzenpolitik und Gesellschaft – etwa mit Friedrich Merz, Reiner Haseloff und Vertretern der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt – und neu gewonnener Zeit im privaten Umfeld stellt sich die spannende Frage:

Wie fühlt sich ein Alltag an, wenn man sportlich alles erreicht hat?

Thorsten, fünfmal Olympiagold – wann wurde dir klar, was du da eigentlich erreicht hast? Und was bedeuten dir Begegnungen wie mit dem Bundeskanzler oder der Landespolitik?
Ehrlich gesagt: So richtig klar ist mir das bis heute noch nicht. Ich glaube, um es wirklich zu begreifen, braucht es einfach Zeit. Natürlich ist die damit verbundene Anerkennung schön. Und oft entstehen daraus neue Chancen, weil man interessante Menschen kennenlernt. Solche Kontakte können sehr wertvoll sein. Aber vor allem ist es ein gutes Gefühl, dass die Leistung anerkannt wird.

Was treibt dich jetzt noch an – nach allem, was du erreicht hast?
Es geht immer weiter. Heute ist es meine Familie, die mich antreibt. Wir wollen uns ein schönes Leben aufbauen – und dafür muss man dranbleiben und arbeiten.

Du hast mehrfach bewusst Veränderungen gewählt – vom Zehnkampf in den Bobsport, später der Teamwechsel von Friedrich zu Lochner. Was hast du aus diesen Entscheidungen gelernt?
Dass man mutig sein und das gewohnte Umfeld verlassen muss, um sich weiterzuentwickeln. Manche Schritte wirken erst riskant, aber genau daraus kann am Ende etwas Großes entstehen. Das gilt im Sport genauso wie im Berufsleben.

Heute arbeitest du als Produktmanager bei SONOTEC. Wie unterscheidet sich der Berufsalltag vom Leistungssport – und wo gibt es Parallelen?
Ich habe aktuell weniger Zeit, denn mein 40-Stunden-Job nimmt viel Raum ein. Der Unterschied ist außerdem, dass ich im Herbst und Winter deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen und beispielsweise die Weihnachtszeit ganz anders erleben werde. Darauf freue ich mich.

Du hast früh auf ein zweites Standbein gesetzt. War das eine bewusste Entscheidung mit Blick auf die Zeit nach dem Sport?
Definitiv. Mir war klar, dass die Karriere endlich ist. Deshalb wollte ich vorbereitet und nie nur der Athlet sein. Der Übergang fällt leichter, wenn man sich schon währenddessen mit anderen Themen beschäftigt.

Thorsten Margis - erfolgreichster Olympia-Bobsportler aller Zeiten
Thorsten Margis - erfolgreichster Olympia-Bobsportler aller Zeiten



Wie ist es, plötzlich in einen “normalen” Job zu wechseln?

Wie ist es, plötzlich vom gefeierten Olympiasieger in einen „normalen“ Job zu wechseln – auch im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten?
Das ist nicht leicht und definitiv nicht mein Lieblingsgefühl. Im Sport war ich ganz oben – jetzt fange ich wieder bei null an. Ich mag es nicht, in einer Situation zu sein, in der ich nicht genau weiß, wie alles funktioniert. Aber ich weiß auch, dass ich da hineinwachse.

Was nimmst du aus deiner Sportkarriere mit in dein neues Berufsleben?
Die Disziplin, den Umgang mit Druck und die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. All das hilft enorm weiter.

Du bewegst dich heute schon souverän zwischen Sport, Wirtschaft und öffentlichen Auftritten – welche Rolle nimmst du dort für dich wahr?
Ich fühle mich in der Rolle des erfolgreichen Sportlers wohl. Es macht mir Spaß, meine Geschichte zu erzählen, weil sie mir viel bedeutet und ich mich darin sicher fühle.

Siehst du dich zukünftig bei großen Sportevents beispielsweise als Experte, Co-Kommentator oder Studio-Gesprächspartner?
Ja, total! Darauf hätte ich richtig Lust. Ich arbeite bereits daran und hoffe, dass sich hier und da Möglichkeiten ergeben werden.

Was bedeutet es für dich, jetzt mehr Zeit mit deiner Familie zu haben?
Das ist wahrscheinlich die größte Veränderung. Im Leistungssport ist man viel unterwegs, immer mit dem nächsten Wettkampf im Kopf. Jetzt kann ich bewusster im Moment und für meine Familie da sein.

Was meinst du konkret, wenn du davon sprichst, dass du jetzt für deine Familie da sein möchtest?
Meine Frau, Inken, hat ihre eigene Osteopathiepraxis in Halle und wird bald eine größere Fortbildung machen. Das bedeutet: Sie ist dann regelmäßig mehrere Tage unterwegs – und ich bin mit den beiden Kindern allein. Aber das bekommen wir hin.

Viele Sportler tun sich mit dem Übergang schwer. Fühlt sich dein neuer Lebensabschnitt eher wie ein Abschied oder wie ein Aufbruch an?
Definitiv beides. Es ist ein Aufbruch – aber einer, der auch schwerfällt.

Wenn du in die Zukunft blickst: Woran würdest du erkennen, dass dieses neue Kapitel genauso erfolgreich ist wie deine sportliche Karriere?
Wenn wir als Familie unsere Ziele erreichen. Im Sport habe ich mir immer Ziele gesetzt – und sie erreicht. Wenn das jetzt im Leben genauso funktioniert, dann ist das für mich Erfolg.

Ob im Eiskanal, im Unternehmen oder im Austausch mit Politik und Gesellschaft: Thorsten Margis bleibt ein Mensch, der Verantwortung übernimmt und Chancen nutzt. Und sein Blick ist längst weiter nach vorn gerichtet, denn der vielleicht spannendste Wettbewerb hat gerade erst begonnen: das Leben nach dem Spitzensport.

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