Wie ist es, plötzlich vom gefeierten Olympiasieger in einen „normalen“ Job zu wechseln – auch im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten?
Das ist nicht leicht und definitiv nicht mein Lieblingsgefühl. Im Sport war ich ganz oben – jetzt fange ich wieder bei null an. Ich mag es nicht, in einer Situation zu sein, in der ich nicht genau weiß, wie alles funktioniert. Aber ich weiß auch, dass ich da hineinwachse.
Was nimmst du aus deiner Sportkarriere mit in dein neues Berufsleben?
Die Disziplin, den Umgang mit Druck und die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. All das hilft enorm weiter.
Du bewegst dich heute schon souverän zwischen Sport, Wirtschaft und öffentlichen Auftritten – welche Rolle nimmst du dort für dich wahr?
Ich fühle mich in der Rolle des erfolgreichen Sportlers wohl. Es macht mir Spaß, meine Geschichte zu erzählen, weil sie mir viel bedeutet und ich mich darin sicher fühle.
Siehst du dich zukünftig bei großen Sportevents beispielsweise als Experte, Co-Kommentator oder Studio-Gesprächspartner?
Ja, total! Darauf hätte ich richtig Lust. Ich arbeite bereits daran und hoffe, dass sich hier und da Möglichkeiten ergeben werden.
Was bedeutet es für dich, jetzt mehr Zeit mit deiner Familie zu haben?
Das ist wahrscheinlich die größte Veränderung. Im Leistungssport ist man viel unterwegs, immer mit dem nächsten Wettkampf im Kopf. Jetzt kann ich bewusster im Moment und für meine Familie da sein.
Was meinst du konkret, wenn du davon sprichst, dass du jetzt für deine Familie da sein möchtest?
Meine Frau, Inken, hat ihre eigene Osteopathiepraxis in Halle und wird bald eine größere Fortbildung machen. Das bedeutet: Sie ist dann regelmäßig mehrere Tage unterwegs – und ich bin mit den beiden Kindern allein. Aber das bekommen wir hin.
Viele Sportler tun sich mit dem Übergang schwer. Fühlt sich dein neuer Lebensabschnitt eher wie ein Abschied oder wie ein Aufbruch an?
Definitiv beides. Es ist ein Aufbruch – aber einer, der auch schwerfällt.
Wenn du in die Zukunft blickst: Woran würdest du erkennen, dass dieses neue Kapitel genauso erfolgreich ist wie deine sportliche Karriere?
Wenn wir als Familie unsere Ziele erreichen. Im Sport habe ich mir immer Ziele gesetzt – und sie erreicht. Wenn das jetzt im Leben genauso funktioniert, dann ist das für mich Erfolg.
Ob im Eiskanal, im Unternehmen oder im Austausch mit Politik und Gesellschaft: Thorsten Margis bleibt ein Mensch, der Verantwortung übernimmt und Chancen nutzt. Und sein Blick ist längst weiter nach vorn gerichtet, denn der vielleicht spannendste Wettbewerb hat gerade erst begonnen: das Leben nach dem Spitzensport.